Geliebte Mutter - Canim Annem
Alvin ist tot. Jahrelang hat er seine Frau Aynur und seine beiden Kinder Ada und Meryem terrorisiert. Von einem Dorf in Anatolien über Istanbul hatte es den einfachen Mann nach Herne in Deutschland verschlagen. Seine Frau Aynur hat ihn gegen ihren
Willen, auf Befehl ihres Bruders, geheiratet. Die Kinder leiden unter den Schlägen der Eltern und ihrer Außenseiterrolle in Schule und Nachbarschaft. Wegen der Spielsucht des Vaters herrscht ständige Geldnot. – Die Journalistin Akyol schreibt in ihrem Debütroman über das Ringen einer türkisch-deutschen Familie um Identität und Heimat. In Rückblenden wird die Kindheit der Eltern erzählt. In den Text sind Briefe Meryems an ihre Mutter Aynur eingefügt. Sie möchte verstehen, warum kein liebevolles Familienleben möglich war. Meryem bemüht sich einfühlsam um Versöhnung, während ihr Bruder Ada sich von der Familie abgewandt hat. Sie kann das Opfer der Mutter anerkennen, die neben dem Haushalt am Fließband in einer Fabrik gearbeitet hat, um ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen. Ein Vergleich mit dem Roman "Dschinns" von Fatma Aydemir bietet sich für Literaturkreise an. Sehr gerne empfohlen!
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Geliebte Mutter - Canim Annem
Çigdem Akyol
Steidl (2024)
236 Seiten
fest geb.