Jene Tage, die verschwinden

Lubins Leidenschaft gilt der Artistik; mit seinem Team bringt er es zur Meisterschaft. Finanziell hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Doch nach einem Unfall tauchen Unregelmäßigkeiten auf: er verschläft ganze Tage und findet schließlich Jene Tage, die verschwinden heraus, dass genau zu diesen Zeiten ein anderer sein Leben führt. Sein Alter Ego stiehlt seine Zeit und diese Entwicklung beschleunigt sich, bis Lubin das Gefühl hat, völlig zu verschwinden. Die Auslöschung eines Lebens wird in dieser Graphic Novel als sachter, aber unaufhaltsamer Prozess in Szene gesetzt. Der weiche Strich und die sanften Farben der Zeichnungen verleihen dieser Mystery-Story einen Sog, der über die erzählte Zeit bis ins hohe Alter von Lubin anhält. Und immer wieder schleichen sich Zweifel ein, ob der junge Mann nicht doch an einer psychischen Erkrankung leidet. Diese Geschichte ist (bei aller Länge) fantastisch genug, um zu fesseln, und die dramaturgische Bearbeitung ist überzeugend, weil im Spiel zwischen Wahrheit und Täuschung die Leser:innen selbst immer wieder in die Irre geführt werden. Das romantische Motiv des Identitätsverlusts wird hier in spannender und auch sehr unterhaltsamer Weise als moderne Science Fiction aufbereitet.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Jene Tage, die verschwinden

Jene Tage, die verschwinden

Thimoté Le Boucher ; Übersetzung: Christiane Sixtus
cross x cult (2023)

192 Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 612673
ISBN 978-3-98666-027-7
9783986660277
ca. 35,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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