It's lonely at the centre of the earth
Seit ihrer Pubertät leidet Zoe unter schweren Depressionen. Selbstzweifel und Selbsthass, soziopathologische Anwandlungen und starke Stimmungsschwankungen gehören zu ihrem Alltag. Umso erstaunlicher, dass die junge Frau in Großbritannien schon große
Erfolge als Comic-Autorin feiern durfte. Es scheint ihr zu gelingen, die depressiven Schübe in kreative Prozesse zu verwandeln. So liebt sie es seit ihrer Kindheit, Geschichten zu erfinden und zu zeichnen. Die hier vorliegende autobiografische Graphic Novel ist innerhalb von 6 Monaten kurz nach der Corona-Pandemie entstanden. Man begleitet Zoe durch ihren Alltag, wobei die Einladung zu einer Comic-Messe und ein USA-Besuch die Höhepunkte bilden. Doch trotz des begeisterten Zuspruchs ihrer Leserschaft wird Zoe immer von ihrer Depression begleitet, die als schwarzes Monster an ihren Fersen klebt. Und auch für ihre verschiedenen "Ichs" findet sie unterschiedliche figurative Zeichen. Die Egomanie der Hauptfigur macht die Lektüre nicht ganz einfach, wozu auch die Sprünge in der erzählten Zeit beitragen. Aber der ästhetische Gewinn ist enorm: sehr selbstbewusst verfügt die Autorin über ihr künstlerisches Handwerkszeug und breitet eine ganze Palette an experimentellen grafischen Stilmitteln aus. Dies wird ein junges Publikum ansprechen, das, wie wir aus jüngsten Studien wissen, verstärkt von psychischen Problemen betroffen ist. Dass es kreative Prozesse sind, die einen erträglichen Umgang mit der Krankheit ermöglichen und diese sogar lindern können, ist ein Hoffnungsschimmer, von dem man gerne liest.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
It's lonely at the centre of the earth
Zoe Thorogood ; Übersetzung: Stephanie Pannen
Cross Cult Entertainment (2024)
[unpaginiert] : teilweise farbig
kt.