Ballade für Sophie
Der Plattenmillionär Eric Bonjour breitet einer jungen Journalistin sein Leben aus und eröffnet ihr dabei, wie sehr seine Karriere auch von seinem großen Antagonisten Francois Samson geprägt wurde. Denn während er von seiner Mutter und seinem
Klavierlehrer zum Erfolg gedrängt wurde, war das Klavierspiel von Samson von unerreichbarer Genialität. Es ist für Bonjour der unlösbare Konflikt seines Lebens, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg zum gefeierten Schlagerstar emporstieg, während sich das Leben Samsons in dunkler Depression verlor. Diese Geschichte ist zwar von bedeutungsschwerer Tragik, doch wird sie in dieser Graphic Novel auf sehr lockere und unterhaltsame Weise aufbereitet. Die Komposition ist gelungen: eingebettet in die Rahmenerzählung der großen "Beichte" Bonjours werden die Biografien der Protagonisten in den 30er-Jahren während der deutschen Besatzung Frankreichs und der anschließenden Ära des Show-Business prägnant ausgemalt. Die Umsetzung der musikalischen Thematik ist grafisch überzeugend und auch die Überzeichnung einiger Figuren an die Grenzen zur Karikatur zeugt von pointiertem Witz. Dass beide Autoren auch im Musik- und Filmgeschäft zuhause sind, merkt man dieser Arbeit an. Hier liegt eine gewichtige, gut lesbare Graphic Novel vor, die die persönlichen Konflikte des 20. Jh. – die Balance zwischen Anpassung und Widerstand – auf den Punkt bringt.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Ballade für Sophie
Text von Filipe Melo ; Zeichnungen von Juan Cavia ; aus dem Englischen von Tanja Krämling
Splitter (2023)
305 Seiten : farbig
fest geb.