Ohne Furcht und Tadel
Zufällig entdeckt Mrs. Whitaker im Oxfam-Shop einen Metallbecher, der auf ihrem Kaminsims gut zur Geltung kommt. Bald darauf steht Galahad, einer der Ritter der Tafelrunde, vor ihrer Tür, der in dem Becher den "Heiligen Gral" erkennt. Es kostet ihn
viel Mühe, Mrs. Whitaker zu überreden, ihm den Becher zu überlassen. Diese Graphic Novel persifliert die Artus-Sage und die Suche der Ritter nach dem Heiligen Gral. Dass dieser angebliche Abendmahls-Kelch sich erst zwischen dem Gerümpel eines Oxfam-Regals befindet und schließlich als Deko-Objekt bei einer schrulligen Witwe dient, ist nicht ohne Komik. Gestalterisch gelingt die Verbindung des zeitgenössischen Settings mit mittelalterlich anmutenden Bibel-Illustrationen als ein origineller Ausdruck von Pop-Kultur. Die Begegnung mit der Sagen-Gestalt ruft bei der Dame Erinnerungen an ihre Jugend hervor, die vom kitschigen Fantasy-Style überblendet werden. Die peniblen Schilderungen ihres Tagesablaufs sorgen für eine Verlangsamung der Handlung, was kaum mit der Dynamik von Ritter-Geschichten kompatibel ist. So changiert diese Arbeit zwischen feiner Ironie und derbem Humor, was für tolerante Liebhaber:innen von Fantasy-Literatur durchaus unterhaltsam sein kann.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Ohne Furcht und Tadel
Erzählung & Texte Neil Gaiman ; Adaption & Illustration: Colleen Doran ; aus dem amerikanischen Englisch von Gerlinde Althoff
Splitter (2023)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.