Dorian Gray
Im Rückblick erzählt Dorian Gray einer streunenden Katze auf seinem Dachboden die Geschichte seiner immerwährenden Schönheit. Als Maler Basil Hallward ein Porträt des attraktiven jungen Mannes anfertigt, wünscht sich dieser ewige Jugend. An seiner
Stelle altert künftig das großformatige Porträt, das bei jeder Schandtat des Lebemannes hässlicher wird. Als Dorian seine Verlobte, eine angehende Schauspielerin, nach einem Misserfolg verstößt, nimmt sich die 19-Jährige das Leben. Doch der in der Londoner Oberschicht angesehene Dandy empfindet keinerlei Mitleid. Sein Pakt mit dem Teufel fordert weitere Opfer. In den theatralischen Dialogen lehnt sich Autor und Zeichner Enrique Corominas an Oscar Wildes einzigen Roman an. Für die Graphic Novel-Adaption kürzte er zwar die Handlung etwas, blieb mit surrealen Momenten aber der Kritik an Hedonismus, Dekadenz und Gleichgültigkeit gegenüber anderen treu. In Prolog und fünf Kapiteln lehnt sich der Künstler an Malerei vom Expressionismus bis zum Jugendstil an und setzt zunehmend auf einen düsteren Farbton. Dabei taucht das Porträt im Comic selbst nie auf, sondern nur in den Einstiegstableaus zu den Kapiteln. Weitere stimmungsvolle Illustrationen finden sich im Anhang der bemerkenswerten Literaturadaption.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Dorian Gray
Corominas nach dem Roman von Oscar Wilde ; aus dem Französischen von Hanna Reininger
Splitter (2024)
71 Seiten : farbig
fest geb.