Die stummen Reiche

Als Persephones alter Nachbar Victor stirbt, versäumen es die beiden Mitarbeiter des Todes, seinen letzten Seufzer einzufangen. Ihrer Trödelei ist es geschuldet, dass Persephone (als erste Lebende überhaupt!) den beiden Skeletten ins Totenreich Die stummen Reiche folgen muss. Und hier wird auch von ihr der letzte Seufzer gefordert. Doch mit einer List und viel Glück versteht es das Mädchen, ihr Schicksal abzuwenden. Es gelingt in dieser Graphic Novel, das Todesthema als komödiantisches Stück zu inszenieren, dessen Grusel-Elemente stets von feinsinnigem Humor begleitet werden. Schon Persephones Eskorte, die beiden tölpelhaften Skelette, treten als liebenswertes Duo Infernale auf. Und selbst die Gebote im Hades persiflieren einen rigiden Bürokratismus, der mitunter auch in der Welt der Lebenden herrscht. Bestechend ist jedoch vor allem die Illustrierung: mit den Figuren erwandert man sich den Parcours von der Wohnung Victors bis zum Fest- und Gerichtssaal des Todes, man streift durch die belebten Straßen der Totenstadt und des Friedhofs. Allen Bildern ist eine dekorative Fülle gemein, die von der Freude an der minutiösen Zeichnung kündet. In dieser so grandios ausgestalteten Parodie liegt auch eine Entlastung: der Tod verliert seinen Schrecken, wenn das Unheimliche sich in Vertrautes verwandelt, über das sich lachen lässt. Die eingestreuten Zitate aus der französischen Schauer-Romantik verstärken diesen Eindruck. Sehr vergnüglich!

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Die stummen Reiche

Die stummen Reiche

Séverine Gauthier ; Jérémie Almanza ; aus dem Französischen von Tanja Krämling
toonfish (2024)

77 Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 620560
ISBN 978-3-98721-718-0
9783987217180
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 10
Systematik: K
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