Generation Anspruch
Der dreißigjährige Autor, studierter Sozialwissenschaftler und Journalist, ist selbst Teil der Generation Y. Der Untertitel „Arbeit ist nicht alles und das ist auch gut so“ gibt die Arbeitshypothese seines sachlich informativen und unterhaltsamen
Buches vor. Zunächst wird die Generation Anspruch vehement verteidigt: Es gehe nicht um Faulheit oder das Bestreben, Freizeitweltmeister zu werden. Vielmehr werde endlich ernstgenommen, was offensichtlich sei: Das Leben ist mehr als Arbeit, Sinnfindung liege nicht in der Wertschöpfung allein und Pflicht solle nicht das vorrangige Handlungsprinzip sein. Junge Menschen könnten sich im Kontext des Fachkräftemangels ihre Berufe sowie die Rahmenbedingungen vom Gehalt bis zur Zeiteinteilung so frei wählen wie nie. Der Gewinn ist Lebensqualität, die sich in besserer Gesundheit und mehr Freiräumen für die Familie zeigt. Statt sich im Job zu verzehren und ein hohes Sterberisiko nach dem Renteneintritt zu riskieren, plädiert Gutensohn für mehr Effektivität und Flexibilität, mehr Gleichberechtigung und Kollaboration, mehr Sinnfindung und gesellschaftlichen Mehrwert. Der Leser gewinnt im Laufe der Lektüre tatsächlich mehr Verständnis für die Generation Anspruch. Dennoch bleiben Fragen: Welche finanziellen und wirtschaftlichen Folgen hat diese veränderte Einstellung zur Arbeit für den Staatshaushalt, die Sozialleistungen sowie insbesondere unsere Rentenversicherung? Lassen sich neue und zusätzliche Herausforderungen am Arbeitsmarkt wie z.B. in Pflege, Bildung bewältigen? Dieses aktuelle Buch ist ein ehrlicher und markanter Beitrag für eine gesellschaftliche Diskussion, die mit Empathie und Kompromissbereitschaft geführt werden sollte, um Menschen auch in der Arbeit nicht gegeneinander aufzubringen, sondern zusammenzuführen.
Thomas Gottfried
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Generation Anspruch
David Gutensohn
oekom (2024)
188 Seiten
kt.