Rebis
Martino kommt in einer frühneuzeitlichen italienischen Kleinstadt in der Zeit der Hexenverfolgungen als Albino zur Welt. Eigentlich wächst der Junge in der warmherzigen Umgebung einer Großfamilie mit älteren Schwestern heran, doch seine Andersartigkeit
macht ihn in der Stadt zum Außenseiter und schließlich wird er von seinem Vater als Unglücksbringer verstoßen. Im Wald findet er Aufnahme in einer einsamen Hütte bei der alleinlebenden Viviana und lernt von dem zu leben, was die Natur hergibt. Erst später erfährt Martino, dass die verstoßene Viviana als Hexe gilt. Hier findet Martino langsam zu seiner eigenen Identität als Frau und Hexe, nimmt den Namen Rebis an und findet Aufnahme in einen liebevollen Kreis von seelenverwandten Frauen. Als er eines Tages anlässlich der Hochzeit seiner älteren Schwester, zu der er nie den Kontakt ganz verloren hat, inkognito in die Kleinstadt zurückkehrt, erkennt ihn sein Vater wieder und es kommt zu einem Eklat. – Somit werden in dieser vordergründig fantastischen, in einer ferneren Vergangenheit handelnden Erzählung die Themen Andersartigkeit, Außenseitertum, Identitätsfindung und Transgender geschickt eingeflochten, ohne dass diese explizit als solche angesprochen werden. Auf einer Metaebene symbolisiert dabei das Reifen einer Insektenlarve, die Martino jahrelang als Schatz hütet, zu einem kapitalen Hirschkäfer diesen Selbstfindungsprozess. Die am Computer entstandenen Zeichnungen gefallen in ihrer detaillierten Ausgestaltung und der situativ angepassten Farbgebung. Diese Coming-Out-Bilderzählung kann in Jugendbeständen überall gut angeboten werden.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Rebis
Text: Irene Marchesini ; Illustrationen: Carlotta Dicataldo ; Übersetzung: Silvano Loureiro Pinto
CroCu (2024)
173 Seiten : überwiegend farbig
kt.