Taumeln
Luisa begibt sich seit zwei Jahren jedes Wochenende in den Wald, um nach ihrer verschwundenen Schwester Hannah zu suchen. Begleitet wird sie auf ihrer Suche von der immer gleichen Schar. Warum ist Hannah verschwunden, die gutaussehende, von allen bewunderte
und beneidete junge Frau? Handy, Ausweis, Geld – alles zurückgelassen. Mutter Constanze leidet am Broken-Heart-Syndrom. Der Vater versucht so etwas wie Alltagsleben aufrechtzuerhalten. Sina Scherzant erzählt nicht nur von der Suche, sondern einfühlsam, empathisch, aber klar auch vom Leben, den Beziehungen, den Problemen und Schwierigkeiten, den Nöten und Ängsten der einzelnen Beteiligten. Frank, der noch immer darunter leidet, von seiner Freundin verlassen worden zu sein. Emma und Amaka, die eine Beziehung beginnen. Emma wächst in Pflegefamilien auf, versucht dies jedoch zu verheimlichen; Amaka – auch deren Bruder ist verschwunden. Inge leidet unter brutaler häuslicher Gewalt. So steht nicht allein die Suche im Mittelpunkt, sondern in 43 Kapiteln vielmehr das Geflecht der Gruppe, jede Einzelperson und immer aktuelle Themen wie Essstörung, Einsamkeit, Egoismus oder das schwierige Verhältnis zwischen Schwestern. Alle taumeln damit beladen durch den Wald – ohne Erfolg. Und immer wieder die Frage: Was ist mit Hannah? Schließlich beenden sie die Suche. Was bleibt? – Allen Büchereien sehr empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Taumeln
Sina Scherzant
park x ullstein (2024)
317 Seiten
fest geb.