Fischtage
Die Ich-Erzählerin Ella wächst mit der älteren Schwester Merle und dem jüngeren Bruder Luis in Dortmund auf. Die 17-Jährige, mit jeweils zwei Jahren Abstand zu den Geschwistern, distanziert sich früh von ihren versnobten Eltern: Der Vater, reicher
Erbe, ist als Schauspieler nur am Kindertheater engagiert; die Mutter macht als Galeristin in Kunst. Die kiffenden Eltern gehen ihren eigenen, individuellen Befriedigungen mehr nach als der Begleitung der Kinder. Ellas wichtigste Bezugspersonen sind der etwas ältere Kotsche und der alte Eckhard. Als Luis mitten in einem heftigen Ehestreit nicht auffindbar ist, türmt Ella, und startet ihre Suchaktionen von Eckhards Gartenlaube aus. Dort trifft sie auf einen an der Wand hängenden sprechenden Blechfisch, der Ella elternhaft mit Kommentaren und Warnungen beim Suchen begleitet. Nach sieben Tagen ist der Spuk vorbei, ein Umherirren voller Selbstreflexionen, Beschwören von Ruhrgebietsmentalitäten und Missverständnissen. Als Ella wieder zuhause auftaucht, sind (mehr als) alle versammelt. – Brandis Debütroman zeichnet sich durch hohes Erzähltempo, Spannung und ein ungeschminktes Nachzeichnen des Kind-Eltern-Verhältnis aus. Insbesondere für Jugendliche und deren Erziehende geeignet in größeren Büchereibeständen.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Fischtage
Charlotte Brandi
park x ullstein (2025)
299 Seiten
fest geb.