Das letzte Leuchten im Winter
Um 1850 sind im hohen Norden die Grenzen von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland nicht definitiv markiert und kontrolliert. Und so ziehen die indigenen Einwohner mit ihren Herden, ohne auf die Länderhoheit Rücksicht nehmen zu müssen, dahin,
wo ihre Tiere die meiste Nahrung finden. Als Lars Levi Laestadius, ein lutherischer Pfarrer im Winterquartier, einer Siedlung mit teilweise festen Häusern, einer Kirche und einem Kramladen, mit aller Macht versucht, die Lappen zu bekehren, sie von ihrer traditionellen Lebensweise abzubringen, bringt das Unruhe. Laestadius, ein Glaubensfanatiker, wettert unentwegt gegen die Gewohnheiten der Wanderhirten; hauptsächlich geht es gegen die Trunksucht der Männer. Er trinkt aber selbst heimlich. Sein Neffe betreibt den Laden und verkauft den Schnaps. Die Tiraden des Pfarrers entzweien sogar seine Familie; eine Tochter zieht mit den Sámi mit. Einer der Herdenbesitzer wird ihr Geliebter und sie somit in den Augen des Eiferers Laestadius eine Hure. Als ruchbar wird, dass die Nomaden nicht mehr so einfach die Grenze Russlands passieren dürfen, kommt es zu Zerwürfnissen innerhalb der Gemeinschaft und letztlich zu einer Katastrophe mit Verletzten und Toten. – Die Autorin hat ein halbes Jahr bei den Indigenen verbracht und sich mit deren Lebensweise vertraut gemacht. Sie beschreibt all die Charaktere, die Leben, in eindrucksvoller Sprache. Man merkt, wie sehr sie mit den Menschen sympathisiert, ihre stimmungsvolle Sprache und die eingängigen Schilderungen von Landschaft, Gebräuchen, ist eindrucksvoll. Es gibt zwar eine kurze Namensliste der wichtigsten Protagonisten – Laestadius ist als einziger historisch verbürgt – ein ausführliches Glossar der vielen Bezeichnungen und Begriffe wäre aber angebracht gewesen. Eine durchaus anspruchsvolle Lektüre, die aber vielen gefallen dürfte.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das letzte Leuchten im Winter
Hanna Pylväinen ; aus dem amerikanischen Englisch von Karoline Hippe
GUTKiND (2024)
538 Seiten : Karte
fest geb.