Ich rede, also bin ich
Schon der Untertitel „42 Geheimnisse unserer Sprache“ macht den Leser neugierig. Der Titel erinnert an Descarts Satz „Cogito, ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) und lässt damit selbstbewusst die Komplexität des Themas Sprache anklingen.
Die Einteilung des Buches in 42 kurze Kapitel mit mehreren sehr übersichtlichen Abschnitten, die mit Überschriften versehen sind, zeigt, wie gut und verständlich das große Thema aufbereitet ist. Vor allem die eher lockere Sprache, die vielen Beispiele aus der Alltagserfahrung und die journalistische, auch unterhaltsame Aufbereitung lassen einen gleich rasch hineinlesen in das handliche Buch. Mit Einbeziehung des Lesers schafft Julia Mailänder gleichsam eine gemeinsame Entdeckungsreise. Diese gilt der Entwicklung und Struktur des Gehirns, der Wechselwirkung von Sprache und Gesellschaft, sprachlichen und kommunikativen Störungen und historischen Entwicklungen. Konkret geht es z.B. um die Frage, ob Männer anders sprechen als Frauen, warum Kinder keine Ironie verstehen, um das Vergessen oder die Herkunft unserer Familiennamen. Die Autorin, die auch als Moderatorin bekannt ist, hält als Sprachforscherin nicht so viel vom Gendern. Zu den einzelnen Kapiteln hat sie jeweils im Anhang Literaturhinweise zusammengestellt. Sehr viele Aspekte unserer Sprache werden verständlich und bündig vorgestellt. Die gebotene Kürze muss dabei manchmal vereinfachen. So bleibt z.B. bei der positiven Darstellung einer zweisprachigen Förderung von Kindern unberücksichtigt, dass sehr viele dann in keiner Sprache richtig zu Hause sind. Insgesamt jedoch ist dieses Buch ein Glücksfall unter den Neuerscheinungen, ein echter Anreiz zum Lesen.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ich rede, also bin ich
Julia Mailänder
GUTKiND (2026)
270 Seiten : Illustrationen
fest geb.