Ein guter Mann
19 Jahre nach dem „Ereignis“, das einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hat, hat sich das Leben in dem kleinen, archaisch wirkenden Dorf im Burgenland, in dem Jola und ihre zwei Männer Jakob und Malek mit ihren Kindern leben, nach den Kämpfen
ums nackte Überleben und um belastbare Strukturen halbwegs normalisiert. Die weit verstreuten Orte, die sich nach dem „Ereignis“ zusammengefunden haben, beginnen, Kontakt miteinander aufzunehmen und ihre Kenntnisse und Produkte auszutauschen, wobei es durchaus zu gewaltsamen Konflikten kommt. Das bringt mit sich, dass allmählich die verschiedenen Gruppen, etwa Jung und Alt oder Traditionalisten und Progressive, aufeinanderprallen und auch gewachsene Beziehungen ernsten Belastungsproben unterzogen werden. – Obwohl der Abschlussband der Trilogie manchmal ein paar Längen aufweist, ist dieser dystopische Roman wieder ein aufregendes Leseerlebnis, das auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände verständlich ist. Im „guten Mann“ stehen die menschlichen Beziehungen und die gruppendynamischen Prozesse noch deutlicher im Vordergrund, die gravierenden Überlebensprobleme scheinen gelöst. – „That’s Life in Dystopia“, „Ein sicherer Ort“ (BP/mp 24/146, 25/432) und „Ein guter Mann“ sind in ihrer Gesamtheit weniger eine düstere Utopie denn die Entwicklungsgeschichte einer Gemeinschaft von Menschen, die ihren Weg finden müssen. Alle drei Bände sind für Freunde ernsthafter, aber dennoch unterhaltsamer Literatur eine lohnende und spannende Entdeckung.
Michael Sanetra
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein guter Mann
Johanna Grillmayer
müry salzmann (2025)
414 Seiten
fest geb.