Das Grab des Webers
In der mit 92 Seiten recht kurzen Erzählung des irischen Schriftstellers Seumas O´Kelly sucht eine Witwe (die vierte Frau des Verstorbenen) die Grabstätte für ihren Mann, den angesehenen aristokratischen Weber Mortimer Hehir. Drei alte Männer
aus dem Dorf und zwei Totengräber sind mit ihr auf dem Friedhofsgelände, niemand kann sich an die Lage der Grabstätte erinnern. Die Hoffnung liegt auf den alten Männern, die „lange Zeit irgendwo abseits im Schatten gelungert und für die die Welt keine Verwendung hatte.“ Plötzlich werden sie gerufen und üben ihr Amt aus, erregt, eifrig, störrisch, rechthaberisch. Während sie so über den verwucherten alten Friedhof stolpern, „begegnen sie alten Bekannten“, frischen Erinnerungen auf, erzählen sich von Lastern und Skandalen verstorbener Familien. Nach allerlei Vermessungen und Vermutungen wird schließlich eine Grabstätte festgelegt. Es passiert außer dieser Suche nicht viel in der Erzählung; das Lesenswerte macht die eindrucksvolle Sprachkunst des Autors aus.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Grab des Webers
Seumas O'Kelly ; aus dem Englischen von Kurt Heinrich Hansen
Jung und Jung (2026)
92 Seiten
fest geb.