Kaiser Karl
Die nur zweijährige Regierungszeit Kaiser Karls von Österreich war ganz darauf gerichtet, den Völkerbrand des Ersten Weltkrieges zu löschen, und sein Sterben war das eines Heiligen. Und doch ist er bis heute die vielleicht am meisten verkannte
Herrschergestalt der neueren Zeit - trotz seiner Seligsprechung im Jahre 2004. Die Historikerin E. Demmerle unternimmt in diesem Buch eine umfassende Rehabilitation des Kaisers, die weder den Anti-Mythen einer schon zu Lebzeiten Karls einsetzenden Propaganda noch einer blinden Heldenverehrung anheimfällt. Neben Karls (in enger Kooperation mit Papst Benedikt XV. erfolgten) unermüdlichen Friedensinitiativen tritt hier weithin Unbekanntes ans Licht: seine exzellente Ausbildung und Vorbereitung auf die Krone, seine an der katholischen Soziallehre ausgerichteten sozialpolitischen Leitideen, seine Vorschläge für eine föderale Erneuerung und Liberalisierung des Habsburger Reiches und selbst sein unkonventioneller, in Hofkreisen anstößiger Regierungsstil. Was dieses Buch auszeichnet, sind nicht nur die Weite der Themen und die kluge Auswahl in der Verwendung zentraler Zeitdokumente; es ist vor allem das abgewogene historische Urteil der Autorin, der es gelingt, die Gründe für das Scheitern Karls zu entschlüsseln und das Bleibende und Wegweisende, ja das Visionäre seiner Politik herauszuarbeiten. Für historisch Interessierte sehr aufschlussreich.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kaiser Karl
Eva Demmerle. Vorwort: Karl von Habsburg
Amalthea (2016)
228, [10] S. : Ill.
fest geb.