Spuk

1952: Frank, inzwischen seit acht Jahren in Tucson lebender Privatdetektiv, soll die sich formierenden Gewerkschaften ausspionieren. Der gebürtige Österreicher, der seit seiner Flucht aus Eisenerz schon mehrmals seinen Namen geändert hat, kämpft Spuk nicht nur mit den klimatischen Bedingungen, sondern vor allem mit seinem Gedächtnisverlust infolge seiner Trinkerei. Mitten in einer Observierung wird die Zeitungsmeldung vom Tod Carl Tanzers zum Auslöser einer Flut von Erinnerungen. Die Gedanken des Verdrängungskünstlers führen zurück nach Zephyrillis in Florida im Jahr 1944, nach Los Angeles gegen Ende der Prohibitionszeit und in seinen Heimatort kurz nach dem Ersten Weltkrieg. In Zephyrillis gab es einen Erpressungsfall um ein Vorhaben von diesem Carl Tanzer, in Los Angeles war Frank in fragwürdige Geschäfte verwickelt – und was geschah damals in Eisenerz? Politische Wirren erschütterten die Region, Gewerkschaften agitierten. Wo hatte Frank überall seine Finger im Spiel? Warum floh er Hals über Kopf in die USA? Und wie hängt alles miteinander zusammen? Erinnerungen und Schuldgefühle brechen unvermittelt hervor, zeigen, dass Vergangenes nicht abgeschlossen ist, und belasten ihn dauerhaft. – In einem distanzierten Ton erzählt der österreichische Autor nach seinem Debutroman „Die Kompromisse“ von historisch Verbürgtem und erfundener Geschichte. Es geht um Identität, Schuld und Verantwortung, Erinnerung und Verdrängung. Die Charaktere sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Manchmal ist es allerdings schwierig, den zahlreichen Konflikten, Schauplätzen und komplexen Erzählebenen zu folgen. Der literarisch dichte Noir-Roman verwebt geschickt Rückblenden in verschiedene Zeiten und Orte, historische Ereignisse und dezente magische Elemente. Er eignet sich besonders für zeitgeschichtlich interessierte Leser und Leserinnen, die psychologisch dichte Krimis mit anspruchsvoller, komplexer Erzählstruktur schätzen.

Günther Freund

Günther Freund

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Spuk

Spuk

Florian Dietmaier
Literaturverlag Droschl (2026)

254 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 755659
ISBN 978-3-99059-201-4
9783990592014
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.