Das Mädchen von Ravensbrück
Bereits als Kind erlebt Leni, wie ihre Eltern die sozialistische Widerstandsorganisation "Rote Hilfe" in Wien unterstützen. Lenis Vater bleibt seinen Prinzipien treu, trotz seiner Verhaftung 1935 und dem frühen Tod seiner Frau. Auch Leni schließt
sich später den Sozialisten an. Sie wird verhaftet, gefoltert, kommt ins KZ - und überlebt. Zusammen mit ihrem Mann, der ebenfalls ein Überlebender ist, muss Leni nach 1945 miterleben, dass ihre einstigen Peiniger jahrzehntelang ungestraft davonkommen und hohe Posten innehaben, obwohl ihre Opfer sie identifiziert haben. Auch die langjährige Bagatellisierung der Nazi-Vergangenheit seitens der österreichischen Bevölkerung belastet Leni und ihren Mann schwer. In einfacher, häufig mit Andeutungen auskommender Sprache zeichnet Ayoub eine Figur, die in ihrer Handlungs- und Denkweise so lebensnah und sensibel beschrieben wird, dass man sie für eine authentische KZ-Überlebende halten könnte. Auch Lenis Erfahrungen im Nachkriegsösterreich spiegeln die historischen Entwicklungen wider, die uns leider auch aus Deutschland bekannt sind. Allen Büchereien empfohlen.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Mädchen von Ravensbrück
Susanne Ayoub
Braumüller (2012)
257 S.
fest geb.