Die blaue Bank
Über die Jahre erlebt eine Parkbank vielerlei: den Wechsel der Jahreszeiten, Kinder, die zu Erwachsenen reifen, kleine Verliebtheiten und große Bekenntnisse, auch Begegnungen zwischen Tieren. Mehr als der große Schauplatz eines Parks bietet die
Bank aber auch einen Ort, um zur Ruhe zu kommen, den Blick schweifen zu lassen, sich zu öffnen für das, was man sieht. Solch ein Augenöffner möchte dieses Buch sein mit seinem Fokus auf ein Zentrum, an dessen Rändern die Leser kurze Splitter fremden Lebens aufblitzen sehen. Dieses Konzept findet hier eine außergewöhnlich schöne und tragfähige Form: jede Doppelseite gewährt in einem speziellen Blickwinkel einen Ausschnitt eines Moments, einer Begegnung, einer Gemeinsamkeit. Da wird zeichnerisch ganz präzise erzählt und vieles auch weggelassen. Ähnlich verfährt der Text, der in knappsten Worten die wesentlichen Lebensstationen der Figuren umreißt und die Leser zum Weitererzählen ermuntert. Im Anhang werden die erwachsenen Vorleser angeleitet, die Lektüre mit Kindern durch eigene Reflexionen fortzusetzen. Die Jüngsten werden das Buch als Wimmelbuch begreifen. Für die Älteren hält der Autor Wahrnehmungs-Schulungen bereit, die auf Konzentration und Kontemplation setzen. So bietet die "blaue Bank" auch eine Veränderung von Sehgewohnheiten an.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die blaue Bank
Albert Asensio
àbac (2017)
[16] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5