Charly Broms Dilemma
Alles beginnt mit einem Anruf aus der Vergangenheit. "Hör zu, Charly. Ich weiß, was damals passiert ist. Walter Bruckner... Ich weiß, warum er gestorben ist ... Und ich weiß, dass du es auch weißt." Damit stürzt für Charly Brom, Krimiautor und
junger Familienvater, seine ganze mühsam zusammengezimmerte Lebenswelt ein, denn er hatte als Jugendlicher einen Nachbarn aus dem Dorf getötet. In Notwehr zwar und über all die Jahre unentdeckt, hat sich das mühsam gehütete Geheimnis jetzt mit aller Macht offenbart – und es gibt einen Zeugen ... Völlig aus dem Gleichgewicht, erwirbt Charly einen Spaten und beginnt, im Vorgarten ein Loch zu graben. Sein ganzes Sinnen und Trachten konzentriert sich nurmehr darauf, wie er schnellstmöglich wieder zu seinem Loch kommt. Gefangen in seiner Ausweglosigkeit wird er damit sich und seinen Liebsten fremd und immer unbegreiflicher. So beginnt die skurril anmutende Odyssee des Charly Brom durch seine Kindheit und Jugend; humorvoll, manchmal aberwitzig, mit schonungslosem Blick auf sich selbst und sein bisheriges Leben. Er reist zurück nach Neubad, wo noch immer Mutter und Großmutter hausen und stellt sich den Dämonen der Vergangenheit. Auf der Gratwanderung zwischen Realität und Absurdistan kann sich jeder Leser mit Charly Brom seinen eigenen Schwächen stellen, die der Autor mit Humor und Hintersinn und viel Empathie in seiner Erzählung auf den Punkt bringt. Und die für Charly nach vielen Wirren zu einem guten, hoffnungsvollen Ende führt.
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Charly Broms Dilemma
Lukas Linder
Kein & Aber (2024)
285 Seiten
fest geb.