Damals waren wir unzertrennlich
Sechs Tage hat sich Agathe Zeit genommen. Sechs Tage, um das Haus, in dem sie und ihre Schwester Véra aufgewachsen sind, auszuräumen. Nachdem der Vater verstorben ist, soll das Haus verkauft werden. Während der Entrümpelung muss sie sich ihren
Erinnerungen stellen. Ein Großteil der Handlung spielt in der Vergangenheit: als Véra aufhörte zu sprechen und Agathe die Kommunikation für sie übernahm, als die Mutter die Familie verließ und als sie von einem Aufenthalt in den USA einfach nicht mehr zurückkam und sich ein Leben ohne die Verantwortung für die Familie aufbaute. Langsam nähern sich die Schwestern wieder an. Doch die Gräben zwischen ihnen und die gegenseitigen Verletzungen sind tief. – Die Autorin (zuletzt: „Die Pachinko-Kugeln“, BP/mp 23/427) schildert die Beziehung zwischen den beiden Schwestern Agathe und Véra sehr gefühlvoll. Sowohl die wechselnden, gegenseitigen Abhängigkeiten der beiden genauso wie die Frage, wer sich besser ausdrücken kann: die sprachgewandte Drehbuchautorin oder Véra, die das Sprechen eingestellt hat. Der dichte Wald des schwarzen Périgord gibt die Stimmung des Buches wieder. – Für eine erfahrene Leserschaft empfohlen.
Angela Hagen
rezensiert für den Borromäusverein.
Damals waren wir unzertrennlich
Elisa Shua Dusapin ; aus dem Französischen von Andreas Jandl
Kein & Aber (2025)
141 Seiten
fest geb.