Färseninsel
Eine namenlose, etwa vierzigjährige Frau sitzt an einer Bushaltestelle mit einem Rollkoffer neben sich. Sie ist unterwegs, um einen guten Platz zum Weinen zu finden. Ein junges Pärchen - Putte und John - liest sie wegen eines angekündigten Orkans
auf und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Von diesen beiden bekommt sie den Namen Bente zugewiesen. Was zunächst ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg auf eine Insel sein sollte, entwickelt sich zu einem Daueraufenthalt. Bente wird wie selbstverständlich in das Leben von Putte, John und ihren Freunden, Nachbarn und Verwandten integriert. In den langen Stunden, die sie allein in der fremden Wohnung verbringt, kommen die Erinnerungen zurück an ihr Leben als Schriftstellerin, an ihren Lebensgefährten mit eigener Arztpraxis, an ihre Schreibblockade und anschließende Depression. In kurzen prägnanten Sätzen ohne Ausschmückungen erzählt die dänische Autorin diese Geschichte um Ausbruch und Neubeginn, um Gegenwart und die in sie hineinwirkende Vergangenheit. Ein Roman, der vor allem Frauen ansprechen wird und lange nachhallt. (Übers.: Flora Fink)
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Färseninsel
Helle Helle
Dörlemann (2015)
222 S.
fest geb.