Das letzte Wort
Der junge Journalist Harry sucht nach einem Weg, in der schreibenden Zunft erfolgreich zu sein. Da wird ihm angeboten, die Biografie des berühmten indisch-stämmigen Schriftstellers Mamoon zu schreiben, der im ländlichen England lebt. Um Mamoon näher
kennenzulernen, zieht Harry bei ihm und seiner extravaganten Frau Liana ein. Er will Aufzeichnungen und Tagebücher durchgehen und Gespräche mit Mamoon über sein Leben führen, um den im Herbst seines Lebens stehenden, erfolgreichen und mit Ehrungen überschütteten Mamoon auf eine erzählerische und persönliche Weise zu schildern. Mamoon aber gibt in den Gesprächen wenig preis, bleibt vage, gibt die Fragestellungen zurück und versucht, Harrys Gedanken zu ergründen. So entsteht ein unbefriedigendes Hin und Her, ein Eiertanz um vermeintliche Fragestellungen des Lebens, die aber nie in die Tiefe gehen. Außerdem wird Harry von dem Ehepaar eher wie ein privilegierter Diener behandelt. Das bewirkt, dass der einstmals aus der Ferne um seiner Werke willen geliebte und verehrte Mamoon zunehmend zum Hassobjekt wird. - Das neue Buch von Kureishi nimmt mit spitzer Feder und sprachlich sehr gekonnt den Literaturbetrieb und seine Abhängigkeit von der Sensationsgier der Gesellschaft aufs Korn. In Wirklichkeit geht es um ein Spiel der Intrigen und Täuschungen. Der Schlagabtausch zwischen Mamoon und Harry ist allerdings nur anfangs amüsant, später überwiegen Längen und ermüdendes Geplänkel. Sex und Zügellosigkeit spielen in dieser Geschichte eine große Rolle, es wirkt aber doch auch oft überzogen, wenn Gedanken und Tun aller Beteiligter offen oder unterschwellig sich nur mit diesen Themen beschäftigen. Ein eher wenig gelungener Roman des Autors. (Übers.: Henning Ahrens)
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das letzte Wort
Hanif Kureishi
S. Fischer (2015)
334 S.
fest geb.