Die Bilder meiner Mutter

Stephan Wackwitz' Mutter Margot ist Jahrgang 1920 und gehört damit zu der Frauengeneration, die als Jugendliche vom Nationalsozialismus geprägt wurden und als Mütter die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge erzogen und die Verdrängung der schuldhaften Die Bilder meiner Mutter Vergangenheit ihrer Eltern bewältigen mussten. Charakteristisch verläuft Margot Wackwitz' Lebenslauf, als sie nach Kriegsende und Heirat nicht mehr den größeren Teil des Familieneinkommens durch ihre Modezeichnungen beisteuert, sondern als Gefährtin des Ehemannes in die zweite Reihe zurücktritt. - Wackwitz' Erforschung eines für die Kriegs- und Nachkriegszeit ungewöhnlichen Frauenlebens gibt Lesern der Gegenwart einen höchst interessanten Einblick in das damalige Frauenbild, speziell auch in das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn. Wackwitz hält sich stark zurück mit Kindheitserinnerungen. Stärker vertieft er sich in die hinterlassenen Dokumente, in die Psychoanalyse des Mutter-Sohn-Verhältnisses und in literarische Vorbilder und zieht Parallelen zu Lebenserinnerungen von Zeitgenossinnen. Margot Wackwitz' im Buch abgedruckte, teils farbige Original-Zeichnungen erinnern an die Illustrierten der 50er und 60er Jahre. Eine wunderbare prosaische Erzählung über die privilegierte Ausbildung, Berufsausübung, Ehe, Mutterschaft und die verpassten Chancen einer künstlerisch begabten Frau aus Sicht des Sohnes. - Empfehlenswert ab mittleren Beständen.

Gudrun Schüler

Gudrun Schüler

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Bilder meiner Mutter

Die Bilder meiner Mutter

Stephan Wackwitz
S. Fischer (2015)

232 S. : Ill. (farb.)
fest geb.

MedienNr.: 582375
ISBN 978-3-10-002420-6
9783100024206
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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