Das magische Auge

Das magische Auge mit seinem grünen Licht als Abstimmanzeige für das Radiogerät ist der älteren Generation wohl vertraut. Der vielseitige Schriftsteller Dieter Kühn (zul. Geheimagent Marlowe (BP 07/810) u. Gertrud Kolmar (BP/mp 09/305)) verwendet Das magische Auge es als Metapher für die Justierung seiner eigenen Lebensbeschreibung. Seine Mutter hat im Krieg am Radio Feindsender gehört. Dieter Kühn erzählt von den Bombennächten in Köln, der Übersiedlung an den Ammersee im ruhigeren Oberbayern, der späteren Rückkehr ins zerstörte Rheinland und später von seinem Studium, vom Berufsleben und seinen vielen verschiedenen Tätigkeiten z.B. als Jugendschöffe, Drogenhelfer, Betreuer eines Strafgefangenen, als Wahlkämpfer und als Mitglied einer Gentechnik-Kommission. Reisen in die DDR, Aufenthalte in den USA sowie Begegnungen mit China zeigen den vielseitig interessierten Menschen und wachen politischen Beobachter. Verschwiegen wird auch nicht der Ärger mit dem Verleger Siegfried Unseld. Dieses Panoptikum erwächst aus einem reichen Schatz an Aufzeichnungen, nicht nur zur Familiengeschichte. Damit ist ein persönlich geprägtes Bild der Zeit seit 1935 entstanden, ein Erinnerungsbild für die ältere Generation, ein Geschichtsbuch für die Jüngeren. Der geschilderte menschliche Alltag zieht einen in Bann z.B. bei einer Schlägerei in der Straßenbahn oder bei Protestaktionen. Freilich wünscht sich der Leser inmitten der Erzählmasse öfter eine Straffung des Erzählens, doch lässt einen der rasche Wechsel der Themen und Gegenstände gerne weiterlesen.

Bernhard Grabmeyer

Bernhard Grabmeyer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das magische Auge

Das magische Auge

Dieter Kühn
S. Fischer (2013)

1273 S.
fest geb.

MedienNr.: 576034
ISBN 978-3-10-041513-4
9783100415134
ca. 30,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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