Zeit der Zäune
Schon seit einigen Jahren besucht Katja Riemann, großer Star im Filmgeschäft, Kino und Theater und Unicef-Botschafterin an den Rändern Europas Lager von Geflüchteten, „die Schmerzpunkte der Welt“, in ihrem – wie sie es nennt – „Interim“.
Sie lernt dort in den Camps, die wie große Metallgebisse in der Landschaft stehen, Menschen, Vereine und Projekte kennen, die den Gestrandeten helfen und zur Seite stehen. Es geht z.B. um kranke Kinder und Ärzte, die sie behandeln. Sie nennt sie „Gastfreundschaftsweltmeister“. Lehrer z.B. haben in einem Lager eine Schule mit drei Räumen gebaut und schon 2400 Schüler unterrichtet, und zwar von 7.30 bis 20 Uhr. Manchmal entsteht dort auch eine Moschee. Mit Künstlerinnen, Theaterleuten, Filmschaffenden hat sie Workshops ins Leben gerufen, sogar ein eigenes Theater gebaut, und sich besonders – neben den zahlreichen jungen, kräftigen und risikobereiteren Männern – um geflüchtete Frauen gekümmert, unter ihnen solche mit abgeschlossenem Studium oder Bankerinnen. Die Schilderungen Riemanns sind nicht resignativ oder pessimistisch, es geht ihr immer um das Individuelle statt das Allgemeine, sie spricht mit Menschen statt über sie. Nicht umsonst ist sie mit viel sozialem Engagement Botschafterin für humanitäre Anliegen. – Ergreifend und empathisch!
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Zeit der Zäune
Katja Riemann
S. Fischer (2024)
447 Seiten
fest geb.