Landschaft ohne Zeugen
Ines Geipel greift als Soziologin deutsche Gewaltgeschichte im Nationalsozialismus und in der DDR-Diktatur auf. Anhand des Konzentrationslagers Buchenwald geht es ihr um einen kritischen Umgang mit Erinnerungskultur. Sie beginnt ihr Sachbuch mit der
Schilderung eines Klassenbesuchs 1974 in der Gedenkstätte Buchenwald. Diesen Ort sehen die DDR-Machthaber als Beispiel heldenhaften kommunistischen Widerstands. Geipel legt nach akribischen Archivrecherchen und neu entdeckten Dokumenten aber offen, dass die Realität eine andere war, denn manche kommunistischen Funktionshäftlinge kooperierten mit der SS, um das eigene Überleben zu sichern, und waren aktiv an der Selektion und Liquidierung von Mitgefangenen beteiligt. Ein weiteres Beispiel ist das Buch von Bruno Apitz „Nackt unter Wölfen“. Der Autor musste sich der Parteidisziplin und Zensur unterwerfen, damit der Mythos des unfehlbaren kommunistischen Helden gewahrt blieb. Ergänzend zu ihren Ausführungen, werden Auszüge aus ihren Archivfunden abgedruckt, die grau abgesetzt durch das ganze Buch laufen. – Ines Geipel fand Leerstellen im kulturellen Gedächtnis des wiedervereinigten Deutschlands und leuchtete sie aus. Der Titel war nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Landschaft ohne Zeugen
Ines Geipel
S. FISCHER (2026)
332 Seiten
fest geb.