Die Welt neu beginnen
Das letzte Viertel des 18. Jh. brachte atemberaubende Umwälzungen hervor. Helge Hesse bietet einen detaillierten und vernetzten Blick auf die Geschehnisse. Mit wissenschaftlicher Akribie wird damals das letzte, aus westlicher Sicht unbekannte Viertel
der Welt entdeckt, politische Umbrüche mit Wirkmacht bis in unsere Tage sprengen die Vorstellungskraft der Menschen. Wirtschaft, Philosophie, Medizin und alle Formen der Kunst stellen vollends den schöpferischen Menschen in den Mittelpunkt der Welt. Der Autor verschachtelt die Lebenswege einer Unzahl bekannter und unbekannter Treiber der Veränderungen zu einem Spiegelbild der Epoche. Als Leser darf man nahe heran an seine Protagonisten, Hesse behält dabei aber immer eine überzeugende Balance zwischen Intimität und Chronistenpflicht. Dem Autor ist nichts weniger gelungen als ein Faszinosum. Mit Eleganz, ja Finesse, verwebt er Geschichte und Geschichten zu einem satten, quirligen Ganzen. Der Lesespaß ist enorm, das Werk sprachlich wie intellektuell ein Genuss, wenngleich es stellenweise konzentriert gelesen sein möchte. Es gibt wohl keinen noch so Geschichtsinteressierten, der hier nicht ab und an etwas Neues für sich entdeckt. Die wenigen Reverenzen an den Zeitgeist des 21. Jh. sind eher amüsant als ärgerlich. Unbedingt empfehlenswert für jeden Bestand.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Welt neu beginnen
Helge Hesse
Reclam (2021)
431 Seiten
fest geb.