Ein deutsches Versprechen
Mit dem Namen Weimar verbinden die meisten Menschen den Höhepunkt der literarischen Klassik mit Goethe und Schiller. Doch Helge Hesse macht den Leser mit weiteren Persönlichkeiten bekannt, die - ausgehend von Weimar - in der Zeit von 1756 bis 1933
die deutsche wie die internationale Kunst und Kultur maßgeblich prägten. Historisch korrekt erarbeitet und unterhaltsam erzählt schildert der Autor den Aufstieg des bescheidenen Residenzstädtchens zu einem kulturellen Mittelpunkt mit einer ungeheuren Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus. So waren Leben und Wirken von Maria Pawlowna (1786-1859), nach ihrer Heirat Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, politisch und kulturell bedeutsam, da sie aufgrund ihrer liberalen Haltung verfolgten Künstlern während der Metternich-Ära Asyl und Unterstützung gewährte. Zu ihnen zählte auch der Komponist und Klaviervirtuose Franz Liszt (1811-1886), der als Dirigent und Kapellmeister in Weimar tätig war. Weitere Impulsgeber waren der Kunstsammler, Mäzen und Pazifist Harry Graf Kessler (1868-1937), dessen Tagebücher wichtige Zeitzeugnisse darstellen, sowie der Architekt und Designer Henry van de Velde (1863-1957), einer der vielseitigsten Künstler des Jugendstils. Einen ganz besonderen Rang nimmt der Architekt und Gründer des Bauhauses Walter Gropius (1883-1969) ein, der als Pionier der internationalen modernistischen Architektur gilt. Ab 1933 jedoch herrschten Terror und Willkür der NS-Diktatur - Weimar wurde zur NS-Hochburg und zum Standort des Konzentrationslagers Buchenwald. - Großen Beständen sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein deutsches Versprechen
Helge Hesse
Reclam (2023)
283 Seiten
fest geb.