Der letzte Akt

Was immer seinen Charme ausmachte, es bleibt auch nach der Lektüre dieses Werkes vage. Weil es für den Autor nachrangig scheint. Der russische Bauer Grigori Rasputin gelangte als Seher, selbsternannter Gottesmann und vermeintlicher Heiler kurz vor Der letzte Akt dem I. Weltkrieg in die obersten Zirkel der Macht im Russischen Reich. Rasputin nahm Einfluss auf die Politik des Landes, brachte Mächtige in eine emotionale Abhängigkeit von ihm und starb am Ende eines gewaltsamen Todes. Nicht neue Details im Leben Rasputins sind der Verdienst des Historikers Antony Beevor, es ist sein überzeugend andersartiger Zugang zur Geschichte Russlands kurz vor dem Wendejahr 1917. Beevor legt das Buch als politisches und menschliches Drama an. Er lässt dabei tiefe Einblicke in das Seelenleben seiner Protagonisten zu, vornweg das der Zarin. Wie muss es um eine politische Ordnung bestellt sein, dass ein Charakter wie Rasputin solche Macht erlangen kann? Diese Leitfrage zieht sich durch das Werk, das im Stil durchgängig leicht lesbar bleibt, mit kurzen Szenen, bildhaften Details und präzisen Beobachtungen aufwartet. Einige wohlgesetzte grotesk-komische Elemente erinnern den Leser dann auch an das zuweilen Operettenhafte dieser historischen Episode. Empfohlen sei das Werk allen Einsteiger in die Geschichte der Romanows und der Russischen Revolution, aber auch Freunden erzählerischer Geschichtsschreibung, gerade wenn es um Einzelpersönlichkeiten geht. Eine Bereicherung für jeden Historienbestand.

Werner Wagner

Werner Wagner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der letzte Akt

Der letzte Akt

Antony Beevor ; aus dem Englischen übersetzt von Jens Hagestedt
Reclam (2026)

411 Seiten : Illustrationen, Karte
fest geb.

MedienNr.: 627151
ISBN 978-3-15-011591-6
9783150115916
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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