Das hohe Fenster
Die exzentrische, vermögende Witwe Mrs. Murdock hat Marlowe beauftragt, eine alte, wertvolle Goldmünze wiederzubeschaffen, die - so Mrs. Murdock - mit der Schwiegertochter verschwunden ist. Ausfindig soll er auch die Schwiegertochter machen und dann
auch gleich für eine Scheidung sorgen. Scheidungssachen sind nicht Marlowes Metier und das sagt er auch deutlich; seine Auftraggeberin reagiert daraufhin sehr indigniert. Allerdings sagt sie ihm noch, dass ein Münzhändler angerufen und gefragt habe, ob denn die Münze zu verkaufen sei. Da setzt Marlowe an, erfährt von dem Mann aber nur Wahrheitsfetzen; einen Tag später wird er ermordet. Auch ein junger, naiver Privatdetektiv, der Marlowe um Hilfe bittet, segnet noch am gleichen Tag das Zeitliche. Da Marlowe nicht leugnen kann, dass er mit den Toten in Verbindung stand, bekommt er prompt mit der Polizei Probleme. Als Murdock jun. seinen Auftritt bei Marlowe hat, wird diesem bald klar, dass nicht die verschwundene Schwiegertochter Linda die Münze genommen hat ... - Der erstmals 1942 in USA erschienene Roman wurde jetzt neu übersetzt. Der Autor schildert seinen Privatschnüffler als ruppigen, harten Typen, der aber durchaus menschliche, empfindsame Seiten hat. Was bei den Geschichten von Chandler nach wie vor fasziniert, ist die Sprache. Seine lakonischen Beschreibungen von Charakteren, die Schilderungen von örtlichen Umständen sind so eingängig und treffend, wie sie kaum in anderen ähnlichen Geschichten zu finden sind. Eine Lektüre, die durchweg Freude macht. Die Geschichten über Philip Marlowe sollten nach wie vor gut ankommen; insofern ist der Roman auch bestens einsetzbar.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das hohe Fenster
Raymond Chandler ; aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumenbach
Diogenes (2022)
319 Seiten
fest geb.