Heute kein Abschied
Oskar van Bohemen bricht kurz vor einem Flug in den Urlaub am Flughafen Schiphol/Amsterdam tot zusammen. Er ist seit langem geschieden und hinterlässt eine Exfrau und drei erwachsene Kinder. Tessel, die älteste Tochter, ist Schriftstellerin. Moor,
der Sohn, hält sich durch Gelegenheitsverkäufe von Designerkleidung über Wasser und Cat, das Nesthäkchen, studiert in New York. Es dauert einige Tage, bis alle zusammen sind und das Testament eröffnet werden kann. Cat, was Tessel sehr irritiert, soll als die Jüngste den letzten Willen des Vaters vollstrecken. Jeder und jede von ihnen hatte eine eigene Geschichte mit ihm. Jeder und jede hat auch ein eigenes, verborgenes Leben, so wie der Verstorbene. Über viele Jahre arbeitete und lebte er monatelang in Hollywood, bewusst abgetrennt von seiner Familie. Nicht nur in der Rückschau werden feine Brüche zwischen ihm, den Geschwistern und der Mutter sichtbar. Die Trauerrede bei der Verabschiedung hält Moor, ein wenig hilflos bei all dem, was er sagen soll und eigentlich will. Die Auflösung des väterlichen Haushalts verläuft problemlos, lässt aber bei allen Beteiligten immer wieder frühere positive wie negative Situationen aufscheinen. Bis auf Cat kommen alle noch einmal zusammen, um Oskars Asche auf einem Feld zu verstreuen, auf dem einer seiner Vorfahren den ersten Flugversuch Hollands durchführen ließ. – Ein beeindruckendes Buch über Trauerarbeit und wie jede einzelne Person damit umgeht. Gleichzeitig auch ein Roman über ein fragiles Familien- und Geschwisterleben. Empfehlenswert für alle Bestände!
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Heute kein Abschied
Daan Heerma van Voss ; aus dem Niederländischen von Gregor Seferens
Diogenes (2025)
490 Seiten
fest geb.