Queer
Männlich und weiblich sind grundlegende Begriffe in der Biologie, aber die Einteilung ist nicht immer einfach und eindeutig. Da gibt es z. B. den Morphofalter in Mittel- und Südamerika, bei dem ein Falter von 10.000 Exemplaren unterschiedlich gefärbte
Flügelseiten mit einer Hälfte männlichem Gewebe und der Hälfte weiblichem Gewebe hat. Oder die grüne Meeresschildkröte, bei denen das Geschlecht davon abhängig ist, welche Temperatur der Sand hat, in die das Weibchen die Eier gelegt hat. Erstaunliches gibt es auch in der Pflanzenwelt: die Europäische Eibe ist eigentlich eine zweihäusige Pflanze, d. h. männlich und weibliche Organe befinden sich auf unterschiedlichen Bäumen, aber ein alter männlicher Baum hatte auf einmal einen weiblichen Ast mit Früchten. Es werden 29 verschiedene Tiere und Pflanzen mit ihrem nicht-heteronormativen Verhalten beschrieben. Sehr interessant, auch wenn man die Hinweise auf die politische Diskussion über den Unterschied zwischen biologischem Geschlecht und selbstbestimmten Geschlecht, Gender, verzichten könnte. Nervig ist, dass in der Übersetzung aus dem Englischen konsequent unhandliche und textverlängernde Varianten wie Wissenschaftler:innen benutzt werden und damit vom eigentlichen Thema abgelenkt wird. Trotz allem: lesenswert.
Ruth Titz-Weider
rezensiert für den Borromäusverein.
Queer
Josh L. Davis ; aus dem Englischen übersetzt von Monika Niehaus
Haupt Verlag (2025)
Haupt Natur
128 Seiten : zahlreiche Illustrationen (farbig)
fest geb.