Den Sommer im Ohr

Stephen wächst um die Jahrhundertwende mit seinem älteren Bruder Raymond bei seinen aus Ghana stammenden Eltern im Londoner Stadtteil Peckham auf, einem sozialen Brennpunkt. Sorgen um Anerkennung, ein freikirchlicher Geist, Musik ihrer afrikanischen Den Sommer im Ohr Heimat und Tanz prägen die Familie: "Das Tanzen ist das Einzige, das die meisten unserer Probleme lösen kann". Der schlechte Schulabschluss versperrt den Weg zur ersehnten Musikakademie, ein alternatives Studium wird abgebrochen. Ebenso der Kontakt zur Jugendfreundin Del, obwohl beide sich lange als Musiker im Rhythmus erprobten und berührten. Es folgen Aushilfsarbeiten in der Gastronomie und ein Anlernen als Koch für afrikanische Spezialitäten. Mit dieser unsteten Entwicklung ist der mit seinem eigenen Lebensweg unzufriedene Vater nicht einverstanden, er verstößt Stephen. Der warmherzige, lebensbejahende Kontakt zu Mutter und Bruder bleibt und motiviert Stephen, nach dem plötzlichen Tod der Mutter Ghana kennenzulernen. Der Aufenthalt dort ermöglicht ein niederschmetterndes, aber tieferes Verständnis für seine Herkunft. Dies führt nach der Rückkehr nach London und dem Neustart der Beziehung zu Del dazu, den Bruder bei der Sorge um den Vater zu unterstützen. - Ein sprachlich gekonnter, berührender Roman, voller innerer Spannung: Die Begeisterung für Musik und Tanz teilen sich auch weniger musikkundigen Lesenden mit. Ein familiengeschichtlicher Einblick in eine Migrationsgeschichte, zwischen Glauben und Unglaube. Gerne empfohlen.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Den Sommer im Ohr

Den Sommer im Ohr

Caleb Azumah Nelson ; aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Kampa (2024)

303 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 618490
ISBN 978-3-311-10052-2
9783311100522
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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