Was der Morgen bringt
Vor Jahren hatte der britische Paläontologe Quin bei Kurt Berger am Wiener Naturkundemuseum gearbeitet und bei dessen Familie im herrschaftlichen Haus gewohnt. Doch als er 1938 von einer Exkursion nach Wien zurückkehrt, um von Berger seine Ehrendoktorurkunde
entgegenzunehmen, ist Berger nicht dabei. Im Haus der Bergers findet er Ruth, die inzwischen junge Frau und Tochter Bergers, die er nur vor dem KZ retten kann, wenn er sie heiratet. Sie sagen niemandem etwas über ihre Zweckehe, denn Ruth ist noch in ihren Verlobten verliebt. In England angekommen, versuchen sie, die Ehe möglichst bald aufzulösen. Dennoch kommen sie sich schließlich näher. Die Liebesgeschichte wird durch die Intrigen einer statisch in ihrem Handeln verbleibenden Nebenbuhlerin Ruths als Konflikt aufrechterhalten. Brilliant versteht es Ibbotson, das sorgenfreie Leben der Wiener Intellektuellen humorvoll-ironisch aufs Korn zu nehmen, solange sie noch in Wien leben. In Kontrast dazu setzt sie deren von Entbehrungen gezeichnetes Leben im Exil. Neben der etwas oberflächlich gezeichneten Liebesgeschichte zwischen Quin und Ruth wird das wissenschaftliche universitäre Leben sehr realistisch gezeichnet. Ein Klassiker (auf Deutsch erstmals 1994 unter dem Titel „Die Morgengabe“ erschienen, s. BP 94/493) in neuer Übersetzung, auch nach 30 Jahren noch ein Lesevergnügen.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Was der Morgen bringt
Eva Ibbotson ; aus dem Englischen von Mechtild Ciletti
Kampa (2024)
458 Seiten
fest geb.