Aus heiterem Himmel
Der vielfach ausgezeichnete kanadische Autor und Illustrator ist ein Meister des pointierten Erzählens. Klassen, der auch als Animationskünstler für diverse Filme arbeitete, braucht nur wenige Requisiten, um seine tiefgründigen Geschichten mit
immer überraschendem Ende zu erzählen. Helden dieses in fünf einzelnen Geschichten erzählten Bilderbuchs sind Schildkröte, Nagetier und Schlange, die in einer weiten und sehr einsamen Landschaft zu Hause sind. Die Entfernungen sind groß, die Verständigung deshalb nicht immer leicht. Ihre knappen Dialoge begleiten die wie in einem Film als Bildfolgen angelegten Illustrationen, die die immer gleiche karge Szenerie vor einem atmosphärisch grau-blau getönten weiten Himmel zeigen und auf den Betrachter dennoch ungemein spannend wirken. Die marginalen Änderungen der Szenen wecken die Erwartung auf plötzliche Veränderungen und auf eine Pointe, die dann tatsächlich jede Geschichte zu einem überzeugenden Ende bringt. So macht es zum Beispiel einfach Spaß, in der ersten Geschichte dem großen Felsbrocken beim Fallen zuzusehen und gleichzeitig die nichtsahnenden Tiere zu beobachten, wie sie im Gefahrenbereich nach einem geeigneten Lieblingsplatz Ausschau halten. Erwachsene Vorleser/-innen und kleine Bilderbuchfans werden gemeinsam viel Freude an den hintersinnig-philosophischen und sehr unterhaltsamen Bildergeschichten haben. Sehr zu empfehlen!
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Aus heiterem Himmel
Jon Klassen ; aus dem Englischen übersetzt von Thomas Bodmer
NordSüd (2021)
[104] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4