Moor Myrte und das Zaubergarn
Die Schwestern Beatrice und Magnolia leben zusammen in einer baufälligen Hütte. Während die gutmütige Beatrice tatkräftig durchs Leben geht, hadert Magnolia mit ihrem Schicksal und macht Beatrice für alle Missgeschicke verantwortlich. Um Magnolia
milde zu stimmen, nimmt Beatrice sich vor, ihrer Schwester einen Pullover zu stricken. Das Zaubergarn, das sie von der Spinne Moormyrte erhält, tut seinen Dienst bestens. Doch statt sich über die Gabe zu freuen, kommen Magnolia geschäftstüchtige Pläne in den Sinn ... Die Geschenke der Natur dankbar anzunehmen und ihr keinen Schaden zuzufügen (wie Beatrice es tut), steht hier einem unternehmerischen Konzept entgegen, das rücksichtslos zugreift, wo etwas scheinbar umsonst zu haben ist. Diese antagonistische Beziehung zur Welt und zu den Mitmenschen ist das hintergründige Thema dieses Kinderbuchs. Präsentiert wird es als modernes Märchen in Bilderbuchform mit Comic-Elementen. Die naiv-kindlich anmutende Illustrierung wird für junge Betrachter:innen leicht zu lesen sein, auch weil ihnen die Motivik der ungleichen Schwestern oder der Spinnenfrau aus der Märchenwelt bekannt sein dürfte. Wie innerhalb dieses erzählerischen Rahmens eine harsche Kritik an Gewinnsucht und Ausbeutung formuliert wird, mag man als plakativ ansehen, ist aber von subversivem Charme. Eine politische Botschaft so aufreizend naiv in Text und Bild zu verkünden, zeugt von großem gestalterischen Selbstbewusstsein und hat bestechende Wirkungskraft. – Ein frecher Wurf, der amüsiert und ästhetisch überzeugt!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Moor Myrte und das Zaubergarn
Sid Sharp ; aus dem Englischen von Alexandra Rak
NordSüd (2025)
135 Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 8