Der allertollste Bruder der Welt
Nano ist der kleine Bruder von Felix und in Nanos Wahrnehmung sind die beiden beste Freunde und ein unzertrennliches Gespann, sie sind "wie eine Person in zwei Körpern"! Schaut man sich aber die Illustrationen zu den von Nano erzählten Unternehmungen
an und liest Felix' körpersprachliche und verbale Äußerungen, dann entsteht das Bild eines für den großen Bruder äußerst nervigen Geschwisterkindes: er geht an alles dran, stört, nimmt weg, macht kaputt, macht nach, läuft hinterher …. Irgendwann setzt Felix eine klare Grenze und die Situation eskaliert – eine wichtige Erfahrung für beide! Danach kann Felix sich wieder für den Bruder öffnen und Nano akzeptiert, dass er dem großen Bruder Freiraum lassen muss und dass Liebe nicht bedeutet, miteinander zu verschmelzen. – Es ist ein sehr gelungener und für kindliche Betrachter:innen gut nachvollziehbarer erzählerischer Kniff, Nanos egozentrische Darstellung mit der Sprache der Bilder zu kontrastieren und damit auch für subtile Komik zu sorgen. Sehr berührend ist die Verbindung, die (dennoch) zwischen beiden vorliegt und die am Ende zu warmen gemeinsamen Bildern führt; die Aussagekraft des Buches bezieht sich nicht nur auf Geschwisterkonstellationen, sondern kann auch auf Freundschaften übertragen werden, in denen fehlender Freiraum oft zu Konflikten führt. – Sehr gelungen, geeignet für Kinder ab vier Jahren und nachdrücklich empfohlen.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Der allertollste Bruder der Welt
Ben Mantle ; aus dem Englischen von Franziska Jaekel
Penguin JUNIOR (2026)
[40] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4