Achilles in Taormina
Es ist nicht einfach, einem Idol nachzueifern. Diese Erfahrung macht der Protagonist, der es als Hamburger Abiturient seinem Vorbild Hemingway gleichtun möchte. So wie dieser als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg zog, schließt sich der junge Deutsche
dem nicaraguanischen Freiheitskampf an. Es ist ein großes Abenteuer für den Neunzehnjährigen, zugleich aber auch ein ernüchterndes Unterfangen. Im Ausbildungscamp verliebt er sich in eine amerikanische Mitkämpferin, der er in ihre Heimat folgt. Aus der geplanten gemeinsamen Zukunft wird vorerst nichts, umso erfolgreicher ist jedoch die Annäherung an sein Idol: erst durch das Studium, der Doktorarbeit (selbstverständlich über Hemingway), dann durch Forschung und Lehre, aber vor allem über persönliche Kontakte aus dem Umfeld des Schriftstellers. Er lernt ehemalige Wegbegleiter und Familienangehörige kennen, die ihm ihre persönliche und oft kritische Sicht auf die Kultfigur kundtun. Es ist ein wertvolles Netzwerk, das den Forscher auf neue Spuren und zu überraschenden Erkenntnissen führt. So entwickelt sich der Roman zu einer spannenden Reise durch Hemingways Leben und Wirken. Er zeigt die Ikone des 20. Jh. als widersprüchliche, getriebene, exzentrische, faszinierende Persönlichkeit. "Achilles in Taormina" ist ein furioser Roman: tempo-, detail- und erkenntnisreich, mit überraschenden Volten und fesselnd bis zur letzten Seite. Eine Empfehlung für alle Bestände.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Achilles in Taormina
Michael Kleeberg
Penguin Verlag (2026)
335 Seiten
fest geb.