Bei der Laterne woll'n wir stehen
Lili und Cord scheinen ein unzertrennliches Paar zu sein. Nach ihrer Rückkehr aus Paris treffen sie sich nun, wie schon in Paris, auch in Hamburg regelmäßig im romantischen Schein einer Laterne. Doch als sich der literarisch feingeistige Cord 1914
freiwillig meldet, um im Ersten Weltkrieg für sein Vaterland gegen die Franzosen zu kämpfen, bei denen sie sich in Paris doch so wohlgefühlt haben, ist Lili zutiefst erschüttert. Sie lehnt es ab, auf Cords Rückkehr zu warten. Lilis Affären mit anderen Männern, ihre länger währende lesbische Liebe zu ihrer besten Freundin Frieda und die Erfüllung ihres Wunsches, als Sängerin u. a. im angesagten Münchner „Simpel“ aufzutreten, trösten sie nicht über ihre Liebe zu Cord hinweg. Erst als 84-Jährige sieht sie ihn 1981 bei der Premiere von Fassbinders „Lilli Marleen“ wieder – ein Film, in dem sie ihr eigenes Leben wiederfindet. – Wendt gelingt es, von einer gescheiterten Liebe der 1920er-Jahre zu erzählen, die sie in das politische und kulturelle Leben der Weimarer Republik bis zum Aufkommen des Nationalsozialismus einbettet. Ihre international gesinnte Protagonistin ist ebenso realistisch gezeichnet wie Wendt mit diesem Roman auch gut recherchierte Zeitgeschichte schreibt.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Bei der Laterne woll'n wir stehen
Gunna Wendt
Penguin Verlag (2024)
254 Seiten
kt.