Familiensache

Heron ruft seine Tochter Maggie, die mit Mann und Kindern in der Nähe lebt, täglich an, aber er erzählt ihr nicht von seiner Krebsdiagnose und auch nicht die Wahrheit über ihre Mutter Dawn. Als Maggie vier Jahre alt war, lernte Dawn Hazel kennen Familiensache und lieben und entdeckte plötzlich, dass sie nicht nur für die Familie mit Mann und Kind da war, sondern auch eigene Wünsche und Vorstellungen hatte. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt: 1982 und 2022. Dawn fühlt sich in ihrer Liebe zu Hazel endlich lebendig. Sie muss mit ihrem Mann reden, den sie geheiratet hat, “weil man das damals von ihnen erwartete”. Heron ist wütend, angeekelt und sucht Rat bei einem Anwalt, der ihm sagt, dass er bei einer Scheidung das Sorgerecht bekommen wird, da die Unzucht der Mutter eine Gefährdung des Kindeswohls darstellt. Die Verhandlung vor Gericht endet für Dawn in einer Katastrophe; sie ist verzweifelt, da ihr jeder Umgang mit ihrer Tochter verwehrt wird. Maggie wächst allein mit ihrem Vater auf, der ihr sagt, die Mutter habe sie verlassen. Erst vierzig Jahre später, als Heron im Sterben liegt, erfährt Maggie die Wahrheit, dass ihre Mutter noch lebt und ihr Kind Maggie nie vergessen hat. – Der Roman liest sich spannend, die Situation von Frauen wie Dawn, die geglaubt haben, dass es besser ist, wenn ihre Kinder sie vergessen, wird auf emotionale Weise geschildert, auch die Zweifel des Vaters. Die Diskriminierung lesbischer Mütter, die in Angst um den Verlust des Sorgerechts ihrer Kinder lebten, hat bis Ende des 20. Jh. bestanden. Ein wichtiges Thema, sehr einfühlsam dargestellt.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Familiensache

Familiensache

Claire Lynch ; aus dem Englischen von Bernhard Robben
Penguin Verlag (2025)

253 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 623315
ISBN 978-3-328-60426-6
9783328604266
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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