Verzweiflungstaten
Die Ich-Erzählerin verliebt sich in Ciaran. Sie erleben eine kurze Beziehung, die er ohne weitere Erklärung beendet. Sie bleibt allein zurück, schwankt zwischen dem Wunsch, unabhängig zu sein und dem, begehrt zu werden. Sie spürt, dass Ciaran
nicht gut für sie ist, unternimmt aber alles, um ihn wiederzugewinnen. - Megan Nolans Debüt-Roman liest sich leicht und lässt die Leser/-innen ganz nah an die Protagonistin heran. Allerdings ist diese Nähe nur schwer zu ertragen, wenn die junge Frau sich täglich bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt und sich von jedem Mann, der sich bietet, sexuell benutzen lässt. Sie trifft erneut auf Ciaran, sie ziehen zusammen und erleben schöne Momente. Aber die junge Frau setzt alles daran, die Beziehung zu zerstören. Sie hintergeht ihn mit Alkohol und anderen Männern, bis er sie so drangsaliert, dass sie es schafft zu gehen. Die über dreihundert Seiten lange „Selbstbeobachtung“, die „Geschichte eines weiblichen Begehrens, das sich hinwegsetzt über die eigenen Bedürfnisse“ (Klappentext), lässt die Leser/-innen ratlos zurück. Sie schwanken zwischen tiefem Mitgefühl angesichts der unablässigen Selbstverletzung der Protagonistin und dem großen Wunsch, sich davon zu distanzieren.
Christiane Raeder
rezensiert für den Borromäusverein.
Verzweiflungstaten
Megan Nolan ; aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
Blumenbar (2021)
303 Seiten
fest geb.