Zeitsröme
In der Tradition des "Nature Writing", eine Art der persönlichen Naturbeschreibung, werden hier Flüsse in allen möglichen Facetten beschrieben und deren Wesen reflektiert. Was ist eigentlich ein Fluss? Ist es das Wasser, sein Bett, das durch ihn
geprägte Ufer oder die Quellregion? Solche Fragen und Gedanken stellt sich der Autor bei seinen Spaziergängen. Er erzählt über die Schwartau, einem kleinen Flüsschen in Ostholstein, an dem er aufgewachsen ist und an dem er als Erwachsener die Renaturalisierung erlebt. Sein Herz schlägt eindeutig für ein abwartendes Gewährenlassen in der Natur, eine Haltung der Nachlässigkeit. Neben realen Flüssen, wie z. B. der Panke in Berlin, der Themse in England oder der Donau, nimmt er das Thema Flüsse auch als menschliche Bewegung auf, die sich für ihn in den sommerlichen Fahrten in die Türkei, der Heimat seiner Frau, vollzieht, wenn im Sommer ein Strom von Autos aus Deutschland über Tschechien, Ungarn, den Balkan und Griechenland in die Türkei fließt, dem der Autor einen eigenen Namen gegeben hat: Migralja. Kein Aufruf zum Aktivismus, eher eine nachdenkliche Beschreibung, ein Text, in dem man versinken kann und der den Blick auf unsere Welt als ein vernetztes Ganzes schärfen kann. Empfehlenswert.
Ruth Titz-Weider
rezensiert für den Borromäusverein.
Zeitsröme
Carsten Kluth
HarperCollins (2025)
414 Seiten
fest geb.