München 38
Die Autoren analysieren in diesem hochinteressanten, fundiert recherchierten, klar und spannend dargelegten Buch nicht nur die dramatischen drei Tage Ende September 1938, als in München die von Hitler ausgehende Kriegsgefahr noch einmal abgewehrt
werden konnte, sondern sie weiten den Blick über Europa hinaus. Der direkte Preis dieses Abkommens war die von der Tschechoslowakei geforderte Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland sowie die Vertreibung der dort lebenden tschechischen Bevölkerung, was nachfolgend das Ende der Tschechoslowakei bedeutete und gleichzeitig die Umsetzung von Hitlers „Lebensraum-im-Osten“-Strategie markierte. Diese Beschlüsse, ausgehandelt vom britischen Premier Neville Chamberlain, dem französischen Premierminister Edouard Daladier, dem italienischen faschistischen Duce Benito Mussolini und Hitler, bezeugen eindringlich die von Großbritannien und Frankreich vertretene Appeasement-Politik, die seit Mitte der 1930er Jahre durch Zugeständnisse an Hitler (Tolerierung der Wehrmacht, Anschluss Österreichs) Konflikte mit Nazi-Deutschland, besonders einen europäischen Krieg verhindern sollte. Doch die beiden Autoren machen deutlich, dass die beiden Staaten auch deshalb diese Strategie benutzten, weil ihre Aufrüstung noch mangelhaft war und kriegerische Auseinandersetzungen mit Deutschland militärische Kräfte binden würden, die sie zur Sicherung ihrer Kolonien (z.B. Indochina, Indien, Palästina) wegen der dort starken Unabhängigkeitsbestrebungen dringend brauchten. Die anschaulich dargelegten Ausführungen und Hintergrundinformationen verdeutlichen nicht nur die weitreichenden Auswirkungen des Münchner Abkommens, sondern sie verweisen auch auf gegenwärtige bedrohliche Parallelen. – Für interessierte Leser sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
München 38
Christian Goeschel, Daniel Hedinger
C.H.Beck (2026)
331 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.