Wir Kinder der Leichtigkeit
In den 70er und 80er Jahren des 20. Jh. beginnen die großen Erzählungen und Ideologien zu bröckeln, der Marxismus bzw. der Kommunismus zerfiel, der hemmungslose unbegrenzte Fortschrittsglaube wurde in Frage gestellt und sogar in der Kunst fielen
bestimmte Zielvorgaben; Grenzen in vielerlei Beziehung wurden durchlässiger oder hörten gar auf zu existieren. Es wuchs eine Generation heran, für die die Freiheit etwas Selbstverständliches war, „Kinder der Leichtigkeit“ im Denken und im Handeln, die erstmals durch 9-11 aufgeschreckt wurden, ehe spätestens mit der Krim-Annexion, der Corona-Pandemie und den neuen autoritären Kräften große Unsicherheiten und Überforderungen Raum gewinnen. – Der renommierte Literaturwissenschaftler und Schriftsteller von Petersdorff erzählt sehr persönlich und nahbar von dieser Zeit, auch den philosophischen, kulturellen und politischen Diskussionen. Dabei versucht er – quasi als Quintessenz und durchaus optimistisch – die Aufbrüche der damaligen Zeit mit den Ängsten der Gegenwart zu versöhnen, wozu er u.a. Beispiele der Popmusik und der Gegenwartsliteratur, z.B. Judith Hermann oder Jon Fosse, heranzieht. – Ein hochinteressantes, durchaus ein forderndes, aber keineswegs überforderndes Buch für Geschichtsinteressierte, die etwas mehr über die geistigen Hintergründe erfahren wollen, ein Buch gerade auch für die nach 1960 Geborenen, die diese Zeit erlebt haben.
Michael Sanetra
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wir Kinder der Leichtigkeit
Dirk von Petersdorff
C.H.Beck (2026)
176 Seiten
fest geb.