Die Buchhandlung der Exilanten
In Paris gab es in der Rue de l‘Odeon zwei Buchhandlungen, die für das kulturelle Leben dieser Weltstadt von großer Bedeutung waren, „La Maison des Amis des Livres“ und „Shakespeare and Company“. Adrienne Monnier hatte bereits 1915 ihr
„Haus der Bücherfreunde“ eröffnet, das vor allem moderne Literatur anbot und zum Treffpunkt der damaligen Avantgarde wurde. Diesem Buchladen gleichsam gegenüber hatte die Amerikanerin Sylvia Beach etwas später ihre englischsprachige Buchhandlung aufgemacht, die zu einem Treffpunkt von Literaten und Komponisten wurde. Beide Buchhändlerinnen veranstalteten Lesungen, Gesprächsrunden und Ausstellungen, waren auch als Verlegerinnen tätig. Kunden konnten Bücher sogar ausleihen. Berühmte Freunde dieser Buchhändlerinnen waren u.a. James Joyce und Ernest Hemingway, Jean Cocteau, André Gide, Paul Valéry, aber auch Pablo Picasso, George Braque oder Igor Strawinsky. Die beiden Frauen boten auch missliebige oder verbotene Literatur an, was besonders zur Zeit der deutschen Besatzung mutig war. Adrienne Monnier versteckte deutsche Exilanten und half ihnen weiter, so z.B. Arthur Koestler, Walther Benjamin, Siegfried Kracauer, Gisèle Freund. 1941 wurde Sylvia Beach als „feindliche Ausländerin“ interniert. Adrienne Monnier, homosexuell, Helferin verfolgter Juden und Unterstützerin der Resistance, war mehrfach gefährdet, blieb aber verschont. Uwe Neumahr, Schriftsteller und Literaturagent, zeichnet ein lebhaftes Bild der Kulturmetropole Paris in der Zeit zwischen den Weltkriegen, der Jahre der Nazi-Okkupation und danach. Eine Reihe von Schwarzweißfotos vermittelt Atmosphäre dieser Zeit. Anmerkungen und Register sowie ein Literaturverzeichnis ergänzen diese sehr informative Darstellung. Insgesamt chronologisch angelegt, werden viele Themenschwerpunkte gebildet. Die biografischen Skizzen lesen sich durchaus spannend.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Buchhandlung der Exilanten
Uwe Neumahr
C.H.Beck (2026)
320 Seiten : Illustrationen
fest geb.