Faschismus ist keine Meinung
Der Punk unter den deutschen Historikern. Rebell. Intellektueller Nonkonformist. Das sind Zuschreibungen des Feuilletons für den Autor. Ilko-Sascha Kowalczuk wird in seinem neuen Werk all diesen Attributen gerecht, und fügt noch weitere hinzu. Sein
Thema ist die DDR, ihre Hypothek in den Seelen und Herzen der Ostdeutschen, auch derer, die nach dem Wendejahr 1990 dort aufgewachsen sind. Kowalczuk macht diese Erblast verantwortlich für die Erfolge von AfD und BSW im ehemaligen „Drüben“. Seine Wut, seine Verärgerung über diese Entwicklung wird nur noch übertroffen von seiner Zuversicht, dass sich vieles noch zum Besseren wenden lässt. Ein faszinierender Autor, überzeugter Linker, belesener Marxist und dabei dem real existierenden Sozialismus in all seinen perfiden Erscheinungsformen ein entschieden konfrontäres Gegenüber. Wer über eine Reihe von Eigentümlichkeiten im Argumentationsstil hinwegzusehen vermag, lernt viel Ungewöhnliches über die DDR, die nicht vergehen will. Lediglich der Titel ist ein wenig irreführend. Ein Einfall des Verlags-Marketings? Für Kowalczuk ist ein Faschist übrigens schlicht „einer, der Faschistendinge macht“. Ein deutscher Forrest Gump wäre er dann wohl auch noch. – Informatives Einstiegswerk in die Gedankenwelt eines Solitärs. Für jeden Bestand zum Thema DDR sehr geeignet.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Faschismus ist keine Meinung
Ilko-Sascha Kowalczuk
C.H.Beck (2026)
236 Seiten
fest geb.