Wie ich den Sex erfand
Um die Neugierde auf seine erwachende Sexualität in den Griff zu bekommen, legt der 10-jährige Peter ein Heft an, in dem er für ihn unerklärliche Worte wie 'Beischlaf' oder 'Unzucht' notiert. Dass er aus einem streng konservativen Elternhaus kommt,
macht die Sache nicht einfacher. Die Angst seiner Eltern, vor allem seines Vaters, dass ihr Sohn in ein von Drogen und Unzucht geprägtes linkes Milieu abrutscht, erschwert Peters Suche nach Erkenntnissen erheblich. Hin- und hergerissen zwischen den Ratschlägen von Franz-Josef Strauß, der als Plakat in seinem Zimmer hängt, der Muttergottes, die auf seine Sünden achtet, und den sozialen Anforderungen Gleichaltriger, kämpft Peter sich in das Erwachsenenleben hinein. Probst erzählt die Geschichte des sexuellen Erwachens seiner Hauptfigur mit Ironie und satirischen Zuspitzungen. Er fängt die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten Anfang der 70er-Jahre sehr gut ein, wodurch seine bis an die Grenze zur Karikatur gezeichneten Charaktere beitragen. So unterhaltsam die Geschichte erzählt wird, an manchen Stellen wäre etwas weniger mehr gewesen, vor allem da, wo der Humor durch allzu häufige Wiederkehr eines Themas leidet.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Wie ich den Sex erfand
Peter Probst
dtv (2023)
294 Seiten
kt.