Die Richtige

„Die Richtige“: Wie man(n) sie findet, warum sie verloren gehen kann, das ist Stoff für mittelmäßige Liebesromane. Was aber lässt eine Frau als die Richtige erscheinen? Davon erzählt Martin Mosebachs Roman. Hauptfigur dieser Geschichte von Die Richtige einer passionierten Liebe zur Kunst ist Louis Creutz, ein Maler, der es sich leisten kann, unabhängig und rücksichtslos zu sein. Vor allem gegenüber den Frauen, die ihm Modell für Akte sitzen. Eine, Flora, ist obdachlos, herumstreunend, ungewaschen, eine mitflutende Frau im Stadtgeschehen, die einen festen Ort nur im Atelier von Creutz hat. Die andere, Beate, ist eine nordische Schönheit, schlank, hellhäutig, mit unordentlichem Haar, stimmbegabt. Sie gewinnt das dubiose Duell um den besseren Akt. Und dazu einen unscheinbaren, aber steinreichen und welterfahrenen Lebenspartner, Dietrich, den Erben eines Industrieimperiums, dank des diabolisch im Hintergrund agierenden Malers und eines mäzenatischen Ehepaars. In diesem kunstfreundlichen Kosmos arrangiert Mosebach abermals, nach seinem Künstlerroman „Taube und Wildente“ (nicht bespr.), eine Idylle im Verfall. Er lässt uns dabei zuschauen, wie etwas Schönes so lange in Stücke zerlegt wird, bis nichts mehr vom ursprünglichen Lebenstraum übrigbleibt. Doch die kleinen Übergriffe und Kunstlügen, die mäzenatischen Eingriffe und bequemen Bildlegenden werden ohne Spott erzählt. Mit der Gabe eines staunenden Realisten erzählt Martin Mosebach vom Verfall des Schönen in Alltagsminiaturen aus einer Gesellschaft, die sich als die bessere fühlt und doch die Liebe – zur Kunst wie zu einer Frau – als Besitzergreifung praktiziert. Immer wieder schrammen die Versuche, die Richtige zu finden, am Richtigen vorbei, in der Kunst wie im Leben. Mit Sympathie für ihre Schwächen leuchtet der Erzähler seinen Figuren heim, etwa bei der grandiosen Schilderung eines Kulturtrips nach Venedig und eines Jagdausflugs im Hessischen. Mosebachs Roman blickt ins Atelier von Liebe und Macht, Hingabe und Willkür. – Ein großartiger Roman über das Scheitern von Größenfantasien und den Triumph der kleinen Dinge. Die Tauben, die dem Maler anfangs ins Atelier flattern, haben ihr Glück im „dunklen Raum“ eines Schlags auf dem Dach.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Richtige

Die Richtige

Martin Mosebach
dtv (2025)

347 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621521
ISBN 978-3-423-28455-4
9783423284554
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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