La Realidad
Mit „La Realidad“ legt Neige Sinno einen poetischen Roman vor, der einen Reisebericht mit Reflexionen über Identität, Sprache, Erinnerung und Literatur verbindet. Im Zentrum steht eine junge Ich-Erzählerin, die gemeinsam mit ihrer spanischen
Freundin Maga durch Mexiko reist, um das zapatistische Dorf La Realidad und den legendären Subcomandante Marcos zu finden. Statt eines spektakulären politischen Abenteuers geraten die beiden Frauen auf zahlreiche Umwege, die ihre Vorstellungen von dem Land in Frage stellen. 20 Jahre später blickt die erwachsene Protagonistin auf die Reise zurück und setzt sich sowohl mit ihrer eigenen Identität als auch mit dem Leben indigener Gemeinschaften und der Rolle von Frauen in politischen Kämpfen auseinander. „La Realidad“ ist ein anspruchsvolles und literarisch hochwertiges Werk, das persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Fragen verknüpft. Wer hier eine klassische Abenteuerhandlung erwartet, wird enttäuscht sein, denn der Roman wartet mit vielen essayistischen, reflektierenden Passagen und einer fragmentarischen Erzählweise auf, was das Lesetempo erheblich bremst und eher zum Nachdenken einlädt.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
La Realidad
Neige Sinno ; aus dem Französischen von Michaele Meßner
dtv (2026)
269 Seiten
fest geb.